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Brauchtum

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Bräuche im Allgäu

Im Allgäu ist eine Vielzahl an Bräuchen lebendig geblieben. Rund ums Jahr kann man bei gemütlichen Heimatabenden und stimmungsvollen Trachtenfesten erleben, wie die Allgäuer Kultur gelebt wird und die Bewohner der Region mit Leidenschaft und Herzblut das kulturelle Erbe ihrer Heimat achten, pflegen und nach Morgen tragen.

Viehscheid - auch Kühe machen Ferien

Geht der Sommer in den Bergen zu Ende, dann feiern die Bauern Viehscheid. Was nach Abschied klingt, beendet lediglich den Urlaub des Viehs auf der Alm. Die Herde wird aufgelöst und die Tiere verbringen den Winter in den Ställen ihrer Besitzer. Der Alpabtrieb besitzt im Allgäu Volksfestcharakter. Tausende Gäste säumen den Weg der prächtig herausgeputzten Tiere, deren Schellen weithin hörbar sind. Ursprünglich ist der Viehscheid ein alemannisches Fest. Schon im 2. Jahrhundert ist in der Oberstdorfer Gegend ein erster Viehscheid belegt. Den schönsten Kranz trägt das Leittier. Der aus Tannenzweigen und Bergblumen aufwendig hergestellte Kranz steht für einen unfallfreien Alpensommer. Darauf anstoßen werden Sie gemeinsam mit den Bauern im Festzelt bei zünftiger Live-Musik.

Bärbeltreiben, Klausentreiben, Pferchten - Wildes Treiben in kalter Nacht

Wenn im Oberallgäu sich das Jahr dem Ende zuneigt, dann erwachen die dunklen Straßen in den Bergdörfern zum Leben. Am Barbaratag nehmen die Frauen das Zepter in die Hand und ziehen als alte Weiber verkleidet beim Bärbeltreiben durch den Ort, um Rutenhiebe auszuteilen und Nüsse und Äpfel an die Kinder zu verschenken. Am 5. und 6. Dezember wird man den mit Fellen behängten und gruselig erscheinenden Rumpelklausen begegnen. Auch hier kann man sich einige Rutenhiebe einfangen. Beide Bräuche sind sehr alt und dienten ursprünglich dazu, böse Geister fernzuhalten. Die Raunächte sind für die Präsenz von Hexen und Geistern bekannt. Im Allgäu wird es mit den Perchten besonders wild. Die maskierten Gestalten schlagen mit ihren Tänzen viel Lärm, um die Häuser vor Geistern zu schützen. Man begegnet im süddeutschen Raum den unterschiedlichsten Perchtengruppen, allen gemein ist, dass sie auch Urlauber sehr gern erschrecken und dabei jede Menge Lärm machen.

Wilde Mändle - alter Tanz neu belebt

Der Tanz der Wilden Mändle wurde vor mehr als 2.000 Jahren von den Kelten begründet und war einst im gesamten Alpenraum vertreten. Allein in Oberstdorf hat der Brauch bis heute überlebt. Hinter den furchteinflößend wirkenden Spukgestalten verbergen sich 13 Oberstdorfer Männer aus alteingesessenen Familien, die es als Ehre betrachten, sich das Tannenbart-Gewand umzulegen und an den Tanzaufführungen teilzunehmen. Tannenbart ist eine Moosflechte, welche in Höhen über 1.000 Metern an Baumstämmen zu finden ist. Das eigentümliche Gewand vermummt seine Träger bis zu den Augen. Das Moos wird auf einen Overall aufgenäht, der etwa sieben kg wiegt und den Trägern einiges an Schweiß kostet. Der Tanz der Wilden Mändle folgt einem festen Prinzip und besteht aus 17 unterschiedlichen Figuren und wird mit dem Wilde-Mändle Lied beendet. Die letzte Aufführung fand in der Oberstdorfer Oybele-Halle im Jahre 2010 statt.

Hexenmaske zum Eggaspiel in Sonthofen© Xocolatl / Wikimedia Commons [gemeinfrei]

Das Eggaspiel - Fastnacht in Sonthofen

Dieses Unikat im Allgäuer Veranstaltungskalender reicht bis in vorchristliche Zeit zurück und symbolisiert die Auseinandersetzung der Menschen mit den Naturgewalten. Das Spiel beginnt mit einem Fastnachtsumzug. Hier kann man bereits ein Auge auf Bauer, Bäuerin, Knecht, Pferde, Hund und die anderen, große geschnitzte Holzmasken tragenden Akteure werfen. Der Umzug durch Sonthofen endet am Oberen Markt. Dieser ist allerdings an Karneval kaum wieder zu erkennen und hat sich wie von Geisterhand in einen Bauernhof verwandelt. Schon beginnen Bauer, Bäuerin und Knechte mit der Bestellung der Felder. Doch die Hexe hat andere Pläne und verscheucht das Vieh und sorgt für Unfrieden. Erst als die Jagd beendet und die Hexe hinter Schloss und Riegel gebracht ist, kehrt wieder Ruhe ein. Die Hexe steht, wie nicht selten im Allgäuer Brauchtum, für dämonische Kräfte, denen mit dem Verbrennen im Funkenfeuer der Garaus gemacht wird. Das Eggaspiel in Sonthofen bestreiten traditionell 17 ausschließlich männliche Mitwirkende.

Fastnacht im Allgäu - närrisch einmal anders

Das Allgäu - eine Faschingshochburg? Sicher nicht, aber dennoch verstehen es die Bewohner die Schwäbisch-Alemannische Fastnacht ausgelassen zu feiern. Statt Prunksitzungen und Prinzenpaar lebt die Fasnet im Allgäu von ihrem mittelalterlichen Flair. Ein besonderes Markenzeichen sind dabei die kunstvoll geschnitzten Holzmasken. Nicht am 11.11., sondern am Dreikönigstag, dem 6. Januar, fällt der Startschuss für die Faschingszeit im bayerischen Oberland. Im Allgäu muss sich nicht jedes Jahr der Kopf über ein passendes Kostüm zerbrochen werden. Die Verkleidungen werden in den Familien zum Teil über Generationen weiter gegeben. Die Figuren der Schwäbisch-Alemannischen Fasnacht sind breit gefächert. Zu den ältesten traditionellen Gestalten zählen Teufel und Narren. Hexen, wilde Leute und Sagengestalten komplettieren den bunten Reigen. Statt “Helau” lässt sich “Ju-Hu-Hu-Hu” vernehmen. Auch “Narri-Narro” gilt als zünftiger Schlachtruf der närrischen Zeit im Allgäu, die traditionell am Faschingsdienstag zu Ende geht.